Auflösung einer Ausbildung – Rückbau der Ausbildung

Auflösung einer Ausbildung – Rückbau der Ausbildung
25 Jul 2014

Auflösung einer Ausbildung

In jedem Job gibt es Aufgaben, die man nicht so gern macht, weil sie dem eigenen Grundinteresse entgegenstehen.  Derzeit bearbeiten wir genau solch eine Aufgabe. Bei einem großen Energiehersteller begleiten wir den Prozess der „Auflösung der Ausbildung“. Der Hintergrund ist schnell erklärt, wenn man das Erneuerbare-Energien-Gesetz und die Folgen daraus betrachtet. Stromanbieter stehen vor der Herausforderung, Energie aus erneuerbaren Quellen in das Stromnetz zu speisen – diese Energien gibt es aber noch nicht in ausreichender Menge, dass sich daraus ein tragfähiges Geschäft betreiben lies. Zudem kommt, dass die bisherigen Kraftwerke (Atom- und Kohlekraftwerke) teilweise sehr schnell abgeschaltet werden oder höchst defizitär betrieben werden. Die Folgen sind für die Mitarbeiter drastisch und eine äußerst ungewisse Zukunft steht bevor- dies wird auch noch eine ganze Zeit anhalten. Ein Appell an die Geschäftsführung hinsichtlich der gesellschaftlichen Verantwortung gegenüber den jungen Menschen in Ausbildung wurde wahrgenommen, aber nicht weiter verfolgt.

Perspektiven für die  Auszubildenden und Studenten

Ein Energieversorger hat sich nun dazu entschlossen, die Ausbildung zurückzufahren und aufzulösen. Das Ziel steht fest. Bis August 2015 soll die komplette Ausbildung abgewickelt und 121 Azubis und 7 Ausbilder sozialverträglich mit adäquaten Jobs versorgt werden. Dieses Vorhaben ist nun nicht so einfach zu bewerkstelligen, da viele Faktoren zu berücksichtigen sind. Zunächst wurde eine Zusammenfassung der derzeitigen Situation vorgenommen und geprüft, wie viele Auszubildende im Unternehmen beschäftigt sind, in welchen Lehrjahren sich diese befinden und über welche Standorte der Ausbildung gesprochen wird. Das Unternehmen ist sich seiner Pflicht bewusst und möchte möglichst allen Auszubildenden und Studenten die Möglichkeit bieten, die Ausbildung zu beenden – dies ist aber teilweise nicht mehr im derzeitigen Ausbildungsunternehmen möglich. Derzeit suchen wir für das Unternehmen nach Lösungen und sind auf der Suche nach Kooperationspartnern, die den Auszubildenden die Möglichkeit geben, die Ausbildung abzuschließen. Es geht hauptsächlich um die Berufe Industriemechaniker mit der Fachrichtung Instandhaltung und Elektroniker für Betriebstechnik. Auch mit Anbietern von überbetrieblichen Ausbildungszentren sind wir im Gespräch um Lösungen zu finden. Ein nicht unwesentlicher Punkt sind hierbei die Kosten, die entstehen – auch dazu sind wir im Gespräch mit Kammern und der Bundesagentur für Arbeit um nach Lösungen zu suchen. Da es sich um keine Insolvenz des Ausbildungsunternehmens handelt, greift hier auch nicht der §10 Sozialgesetzbuch der Fördermittel für Insolvenzbetriebe und deren Azubis regelt.

Perspektiven für die Ausbilder

Eine große Herausforderung stellt auch der Umgang mit dem Ausbildungspersonal dar. So einfach wie gedacht sind die Ausbilder nicht in das normale Berufsleben vermittelbar. Zunächst ist der Stellenmarkt für Ausbilder recht übersichtlich, es werden wenige Stellen angeboten und die Unternehmen suchen tendenziell eher jüngere Ausbilder- was sicherlich der Kostenfrage geschuldet ist. Ein weiterer wesentlicher Punkt ist die Beschäftigungsfähigkeit von Ausbildern. Seit Jahr und Tag gehen sie ihrer Tätigkeit als Ausbilder nach und haben teilweise den Anschluss an die momentan eingesetzte Technologie  in Kraftwerken verloren. Man hat die jungen Menschen fit für die Abschlussprüfung gemacht und die Vorgaben der Kammern eingehalten – gleichzeitig hat man es versäumt, die Ausbilder zu qualifizieren und mit aktuellem Wissen aus der Praxis zu versorgen. Ein Vorgehen, das sich jetzt als fatal herausstellt. Wir prüfen derzeit, welche Qualifikationen die Ausbilder erwerben müssen, um Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben. Im eigenen Unternehmen unterzukommen, stellt sich als nicht aussichtsreich dar.

 

Alles in allem ist die Situation für die betroffenen Auszubildenden, Studenten und Ausbilder äußerst belastend. Eine gewünschte Zukunftssicherheit kann nicht gegeben werden, jeden Tag gibt es neue Erkenntnisse und Informationen über den weiteren Ablauf, aber auch über die eingeschlagene Strategie des Unternehmens.

Unsere langjährige Erfahrung mit Personalleitern, Ausbildungsunternehmen, Ausbildern und Azubis hilft uns in solch einer Lage, die Sorgen und Nöte aller Beteiligten zu verstehen. Verstehen allein hilft hier aber nicht – wir werden Lösungen finden, auch wenn diese nicht für alle Betroffenen zur vollen Zufriedenheit ausfallen werden.

Ja, auch unser Berufsleben besteht nicht nur aus schönen, glücklichen Momenten – es gibt auch diese Schattenseiten. Uns schmerzt es sehr, wenn Ausbildungsabteilungen aufgelöst und die Ausbildung eingestampft wird – Ausbildungsunternehmen sollten jederzeit  das Kostenmanagement der Ausbildung und die strategische Ausrichtung der Ausbildung auf dem Radar haben – letztendlich geht es geht es um die Zukunft von motivierten und guten Mitarbeitern!

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