Was U-Stahl feilen mit Latein und Alt-Griechisch zu tun hat

Was U-Stahl feilen mit Latein und Alt-Griechisch zu tun hat
27 Jan 2014

Latein und Alt-Griechisch sind im deutschen Schulsystem immer noch weit verbreitet und haben einen festen Stellenwert im Bildungsprogramm. Jeder Schüler, der Latein oder Alt-Griechisch lernen „darf“, hat sich sicherlich einmal die Frage gestellt, warum man das lernen muss. Latein und Alt-Griechisch sind im täglichen Leben so gut wie nicht mehr zu gebrauchen – warum also lernen?

Diese Sprachen haben  im Bildungsprogramm eine andere Funktion. Sie sollen eine tiefe, allgemeine und langfristige Bildung ermöglichen. Anders ausgedrückt könnte man auch sagen: „Es ist egal was und welche Inhalte du lernst- sofern sie dich dazu animieren, dich intensiv mit der Materie auseinander zu setzen und dich lerntechnisch herausfordern. Konzentration, Durchhaltevermögen, Fokussierung und Lernverknüpfungen herstellen sind alles Schlagwörter, die mit dem Lernen der „alten“ Sprachen in Verbindung gebracht werden.

Aufgaben im Grundlehrgang

Ausbildungsbetriebe die für ihre Auszubildenden in den ersten Wochen ihrer Ausbildung einen Grundlehrgang der Mechanik anbieten, lassen ihre Azubis auch sehr oft über einen längeren Zeitraum U-Stahl feilen. Auszubildende stellen dies Praxis oft in Frage und können den Sinn der Übung nicht verstehen. „Es gibt doch Maschinen die das machen, viel schneller und genauer. Das braucht doch heute kein Mensch mehr“. Nach schweißtreibender und langwieriger Tätigkeit am U-Stahl werden in der Regel auch die ersten Blasen an den Händen sicht- und spürbar. Ziel erreicht? „Feilen formt dich für das Leben und außerdem hat das noch keinen umgebracht“ ist oft eine Antwort, die Auszubildende von den Ausbildern zu hören bekommen.

Welchen Sinn hat U-Stahl feilen?

Welche Funktion hat das U-Stahl feilen? Verhält es sich ähnlich dem Lernen von „alten“ Sprachen? Werden damit Fähigkeiten geschult, die im weiteren Berufsleben unabdingbar und äußerst wichtig sind?

Diese Fragestellung hatten wir kürzlich in einem Workshop für technische Ausbilder gestellt und damit eine lebhafte Debatte entfacht. Ein Satz eines reifen Ausbildungsmeisters ist mir noch gut in Erinnerung:

Aussagen eines Ausbildungsmeisters

„Ich glaube, wir verharren in Routinen und Traditionen und versäumen es, uns den wichtigen Herausforderungen zu stellen. Klar geben Routinen ein gewisses Maß an Sicherheit und Planbarkeit (jedes Jahr machen wir das mit unseren Azubis…) und entlasten unser Gehirn vor dem unbequemen Nachdenken. Ist das aber zielführend und zeitgemäß? Ich glaube, wir müssen unsere antrainierten Routinen in Frage stellen und uns gut überlegen, welche Fähigkeiten wir unseren Azubis heute vermitteln müssen damit sie morgen die Leistungsträger im Unternehmen werden.“

Aufgabe für Ausbilder

Stellen Sie doch diese Frage einmal bei Ihnen im Unternehmen. Wenn Sie kein technisches Unternehmen sind, überlegen Sie, in welchem Bereich Ihre Ausbildung an „alten Routinen“ festhält. Lassen Sie sich von den Antworten und Ansichten überraschen!

 

 

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