Was kommt auf uns zu?

Was kommt auf uns zu?
13 Nov 2016

E-Commerce Kaufleute

Kaufleute im Einzelhandel versus E-Commerce Kaufleute

In einem interessanten Workshop mit dem Personalvorstand und fünf regionalen Ausbildungsleitern einer Handelskette bearbeiteten wir ein „heißes“ Thema. Es ging um die

Zukunftsfähigkeit von Ausbildungsberufen und allen voran um die Kaufleute im Einzelhandel und dem Einzelhandel an sich.

Veränderungen im Handel

Zur Einstimmung wurde in einem Vortrag von Josef Buschbacher dargestellt, dass der Handel weiter vor enormen Veränderungen steht, aber sehr viele Unternehmen noch an den alten und bewährten Berufen festhalten. Kaufleute im Einzelhandel werden immer noch scharenweise ausgebildet und noch in den stationären Läden dringend benötigt. Da sich das Kaufverhalten von Konsumenten ändert und der technologische Fortschritt ein Onlineshopping ermöglicht, welches so bis vor 10 Jahren noch nicht denkbar war, ist es dringend nötig, sich den Veränderungen zu stellen und dabei auch an die Ausbildung der Fachkräfte zu denken.

 

Auch die Teilnehmer des „Zukunftsworkshop Ausbildung im Handel“ bestätigten, dass auch sie regelmäßig online einkaufen und sie zählten dabei viele Vorteile auf, auf die sie durch diese Art des Einkaufens nicht mehr verzichten wollten. Die Mehrzahl der Teilnehmer bejahten auch die Frage, ob sie sich vorstellen könnten, bei Amazon Fresh Lebensmittel einzukaufen und die Bestellung nach Hause liefern zu lassen. Unkomplizierte Abwicklung, bequem und Zeitersparnis wurden als Argumente genannt und wir waren uns einig, dass viele Konsumenten so denken. All dies sind Eigenschaften, dies es z.B. auch beim Online-Banking gibt und welches aus der heutigen Zeit schon nicht mehr wegzudenken ist.

 

Welche Fähigkeiten benötigt ein E-Commerce Kaufmann?

Wenn solche Aussagen von Mitarbeitern aus dem stationären Handeln genannt werden, ist es an der Zeit, sich Gedanken zu machen. Welche Qualifikationen benötigt ein Kaufmann im Handel, wenn hauptsächlich über das Internet bestellt und gekauft wird? Muss er noch wissen, was ein Fifo-Prinzip ist, wie man Ware stapelt und einlagert, wie man einen Hubwagen fachgerecht bedient und das Kassensystem bedient?

 

Die einhellige Meinung war, dass E-Commerce Kaufleute in Zukunft ganz andere Aufgaben begleitet als es Kaufleute im Einzelhandel heute tun. Nun kann man auch feststellen, dass sich bereits seit 2007 Sachverständige, das BIBB, die Gewerkschaften mit dem neuen Berufsbild „E-Commerce Kaufleute“ beschäftigen und es vermutlich im Jahr 2017 eine entsprechende Verabschiedung gibt, damit dann ab 2018 im neuen Beruf ausgebildet werden kann. Das heißt, dass ab ca. 2020/21 die ersten E-Commerce Kaufleute auf den Markt kommen und die Organisation der Warenströme, die Prozesse, die Kommunikation mit Kunden über Social Media Kanäle und die Abwicklung von Bestellprozessen, aber auch die Optimierung von Produktbeschreibungen in Onlineshops übernehmen.

 

Warten oder Agieren?

In unserem „Zukunftsworkshop Ausbildung im Handel“ mit dem Personalvorstand und den Ausbildungsleitern haben wir beschlossen, dass wir nicht bis 2020 warten wollen bis erste Fachkräfte zur Verfügung stehen, sondern, dass wir uns jetzt sofort auf den Weg machen, um Personal zu qualifizieren, damit wir uns im Wettbewerb gegen bestehende und äußerst aggressive Onlinehändler behaupten können. Die Entscheidung wurde vom Personalvorstand mitgetragen und ein Zeit- und Ressourcenpaket verabschiedet.

 

Neue Ausbildungsformen

Mit den Verantwortlichen kamen wir auch überein, dass wir neue Formen der Ausbildung für den neuen Beruf Kaufleute im E-Commerce benötigen und verstärkt auf Blended Learning Konzepte, virtuelle Klassenzimmer, Mobile Learning und Gamifikation setzen wollen. Der technologische Fortschritt und die rasanten Veränderungen machen es nötig, ein Ausbildungssystem zu entwickeln, welches nicht auf Neuordnungen im 10-jahres-Rhythmus warten kann, sondern so flexibel und agil ist, dass wir innerhalb von Monaten Anpassungen vornehmen können.

 

„morgen“ – ein neues Zeitalter steht in der Ausbildung bevor

Das oben beschriebene Beispiel aus unserer Arbeit zeigt deutlich, dass sich immer mehr Unternehmen Gedanken dazu machen, welche Berufe „morgen“ benötigt werden, wer die Wettbewerber von „morgen“ sind, wie sich Geschäftsmodelle „morgen“ verändern und wie man „morgen“ mit der Wissensvermittlung in einer beschleunigten Welt umgehen kann. Dies gilt nicht nur für den Handel, sondern für sehr viele Branchen und Unternehmen. Selten gab es soviel und so schnelle Veränderungen wie in den letzten 10 Jahren. Auch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales greift das Thema auf und hat eine sehr interessante Studie dazu veröffentlicht und die Bundeskanzlerin rät in einem Video zur Anpassung der Bildung aufgrund der Digitalisierung.

 

Und was machen wir mit den Kollegen in den Läden?

Eine Frage, die ebenso mit Hochdruck bearbeitet werden muss, ist die, was wir mit den Kollegen in den Läden machen, die in Zukunft aufgrund des Onlinehandelns nicht mehr in der Anzahl wie heute benötigt werden. Wir haben auf diese Frage keine Antwort, sehen aber jeden einzelnen Arbeitnehmer, die Arbeitgeber und die Gewerkschaften in der Verantwortung. Nur wenn eine breite Diskussion über die Beschäftigungsfähigkeit oder Alternativen zu derzeitigen Arbeitsplätzen bzw. Arbeitsformen geführt wird, kann es uns gelingen den Wandel zu gestalten.

 

Haben Sie Lust auf einen Strategieworkshop zur Zukunftsfähigkeit Ihrer Ausbildung? Wir freuen uns über Ihre Nachricht die Sie gern an info@smadias.de senden können.

 

 

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Kommentare

  1. […] Entscheidungen nicht mehr mittragen wollen und können. Als Beispiel sei hier das Berufsbild der E-Commerce Kaufleute genannt, welches seit über 10 Jahren vom Handel gefordert und in einer atemberaubenden […]

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