Talentmanagement: Berufsbegleitend Studieren – aber richtig!

Talentmanagement: Berufsbegleitend Studieren – aber richtig!
27 Okt 2014

Talentmanagement: Berufsbegleitend Studieren – aber richtig!

Kennen Sie das als Ausbilder? Bereits im Vorstellungsgespräch lässt der Azubi in spe durchblicken dass er nach der Ausbildung studieren möchte und fragt Sie direkt nach den Möglichkeiten eines Bachelor oder Master Abschlusses. Die Akademisierungswelle schwappt durch die Bildungslandschaft und viele Unternehmen springen auf den Zug auf. Das duale oder auch berufsbegleitende Studium liegt voll im Trend – aber viele Unternehmen merken: Ein Selbstläufer ist es nicht.

Werner G. Heim gilt als einer der Pioniere des berufsbegleitenden Studiums und hat uns vor dem Hintergrund seiner mehr als 15jährigen Erfahrung mit dem Thema einige wichtige Fragen beantwortet.

 

Interview mit Werner G. Heim (IFC EBERT)

Smadias: Herr Heim, das duale Studium in Baden –Württemberg ist ein Erfolgsmodell und inzwischen in verschiedenen Formen und Benennungen als berufsbegleitendes Studium in ganz Deutschland im Einsatz. Allerdings gibt es auch viele Unternehmen die eine ernüchternde Bilanz ziehen: Zu wenige Studenten halten durch, viele Studenten verlassen nach dem Abschluss das Unternehmen. Was läuft da falsch?

 

Heim: Das Hauptproblem liegt aus meiner Sicht in der geringen Anwesenheit der Studierenden im Unternehmen, da diese die Hälfte Ihrer Arbeitszeit an der Hochschule verbringen. Eine Unternehmerin teilte mir vor kurzem mit, dass die Studierenden effektiv nur 30% ihrer Zeit in ihrem Unternehmen tätig sind. Das macht es für die Führungskräfte enorm schwer, die Studierenden mit verantwortungsvollen und sinnstiftenden Tätigkeiten zu betrauen, was natürlich den Aufbau einer emotionalen Bindung an die Position und das Unternehmen enorm erschwert.

 

Smadias: Sie haben mit der IFC-EBERT einen anderen Ansatz. Wie funktioniert der und warum ist er besser?

 

Heim: Die Studierenden unseres Career&Study Programms stehen den Unternehmen, mit Ausnahme weniger Vorlesungen und Veranstaltungen, die gesamte Arbeitswoche zur Verfügung. Dies erleichtert die Integration in das Unternehmen sowie die Übernahme von herausfordernden Aufgaben und Projekten enorm.

Mit unserem Career&Study Modell unterstützen wir unsere Kunden zudem während des gesamten Prozesses der Gewinnung und Bindung von talentierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Dies beginnt bereits bei der Auswahl der geeigneten Kandidaten sowie bei der Karriereplanung. Wird für die Nutzung des Studienangebots von Seiten des Unternehmens eine finanzielle Unterstützung benötigt, können wir zudem, gemeinsam mit einem Kooperationspartner, die Möglichkeit eines Studienkredits zu attraktiven Konditionen ermöglichen.

 

Smadias: Ein häufiger Kritikpunkt besteht in der Kooperation  mit der Hochschule / Universität. Wie stellen Sie sicher, dass die Inhalte des Unternehmens nicht zu kurz kommen?

 

Heim: Wir arbeiten mit ausgewählten Hochschulen zusammen, deren Studieninhalte uns bekannt sind und mit denen wir oftmals langjährige Erfahrungen bei der gemeinsamen Qualifizierung der Studierenden haben. Hierdurch können wir die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen unserer Kunden an die Hochschule vermitteln, welche einen hohen Deckungsgrad der Studieninhalte mit dem gewählten Einsatzgebiet des zukünftigen Studierenden aufweist.

Zudem bieten wir den Studierenden, neben den Vorlesungen an der Hochschule, noch weitere exklusive Weiterbildungsveranstaltungen, welche inhaltlich und organisatorisch von den teilnehmenden Career&Study Unternehmen mitgestaltet werden können.

 

Smadias: Für den Studierenden bedeutet das aber einen gewaltigen Workload. Wie sind Ihre Erfahrungen mit den Studenten – schaffen die das denn überhaupt? Wie ist Ihre Erfolgsquote?

 

Heim: Natürlich erfordert ein berufsbegleitendes Studium ein anspruchsvolles Arbeitspensum. Wenn das dem Studierenden davor nicht bewusst ist, kann es in Einzelfällen vorkommen, dass sich dieser der Herausforderung nicht gewachsen sieht. Oftmals sind es aber viel mehr Probleme in einzelnen Studienfächern oder die Unerfahrenheit in der Selbstorganisation, welche den Fortgang des Studiums gefährden. Wir beugen solchen Entwicklungen vor, indem wir in regelmäßigen Treffen mit den Studierenden die „Stimmungslage“ abfragen, Anregungen und Hilfestellung geben sowie mittels einer Telefonhotline bei Problemen zeitnahe Unterstützung anbieten.

 

Smadias: Das bedeutet aber auch, dass sich nicht jeder für das Berufsbegleitende Studium eignet. Wie finden Sie die passenden Bewerber? Woran erkennen Sie sie?

 

Heim: Zunächst einmal steht für mich hier ein persönliches Gespräch an erster Stelle. Durch unsere langjährige Erfahrung gelingt es uns dabei sehr gut, einen Eindruck davon zu erlangen, ob der Kandidat von seinen Fähigkeiten und seiner persönlichen Disposition her für ein berufsbegleitendes Studium geeignet ist. Zudem nutzen wir Instrumente der Eignungsdiagnostik, wie beispielsweise HBDI-Profile, um die Präferenzen und Denkweisen der Kandidaten mit den Anforderungen zu vergleichen. Die Fragestellung, ob ein potentieller Studierender zum jeweiligen Unternehmen, mit seinen Zielen, Strukturen und kulturellen Besonderheiten, passt, ist natürlich durch die dortigen Verantwortlichen zu beantworten. Hierfür eignet sich nach unseren Erfahrungen insbesondere eine sechsmonatige Trainee-Phase vor dem eigentlichen Studium.

 

Smadias: Was passiert eigentlich wenn der Studierende trotzdem abbricht, oder das Studium „mitnimmt“ und danach das Unternehmen verlässt? Solche Schäden für das Unternehmen können sie doch auch nicht ausschließen oder?

 

Heim: Völlig ausschließen lässt sich das natürlich nicht. Das wollen wir auch nicht, denn es macht aus unserer Sicht keinerlei Sinn, Mitarbeiter „gegen ihren Willen“ im Unternehmen zu halten. Um einen Studierenden kurzfristig zu binden, empfehlen wir folgendes Modell: Das Unternehmen übernimmt die Studiengebühren – teilweise oder komplett – und im Gegenzug bindet sich der Studierende vertraglich für eine bestimmte Zeitdauer an das Unternehmen. Natürlich sind solchen Regelungen juristische Grenzen gesetzt. Daher obliegt es den Unternehmen, dem Studierenden interne Perspektiven aufzuzeigen, welche diese langfristig binden. Daher unterstützen wir bereits im Vorfeld bei einer entsprechenden Karriereplanung.

 

Smadias: Das berufsbegleitende Studium ist nicht nur für den Studierenden Neuland. Häufig tun sich auch die Unternehmen schwer damit. Wie bereiten Sie Unternehmen auf duale Studenten vor? Haben Sie spezielle Tipps worauf man achten muss?

 

Heim: Vor Beginn des Studiums informieren wie die Geschäftsführung umfassend über unser Konzept, den Prozess sowie die häufigsten Herausforderungen und mögliche Stolpersteine. Während des Studiums arbeiten wir mit einem Mentoren Konzept. Hierbei wird im jeweiligen Unternehmen eine Mitarbeiterin bzw. ein Mitarbeiter ausgewählt, welcher den Studierenden während des Studiums und dem Einstieg in das Unternehmen mit Rat und Tat zur Seite steht. Wir unterstützen wiederum die Mentoren dabei, sich in dieser Rolle zurecht zu finden.

 

Smadias: Ein wichtiger Beweggrund für die Unternehmen sich mit berufsbegleitendem Studium zu beschäftigen besteht ja in der Bindung der Azubis / Studierenden an das Unternehmen. Wie sieht kann eine Studienkarriere im Unternehmen aussehen und was kommt danach?

Heim: Entscheidend ist, die Studierenden möglichst zeitnah in einer Position einzusetzen, in welcher sie über einen persönlichen Gestaltungs- und Entscheidungsspielraum verfügen. Dies schafft Möglichkeiten, das im Studium Gelernte direkt in die Praxis zu übertragen und bindet die Talente zudem stärker an das Unternehmen.

Ehemalige Studentinnen und Studenten unseres Career&Study Programmes arbeiten heute noch bei den ursprünglichen Unternehmen: als Niederlassungsleiter, Vertriebsleiter, Unternehmensberater oder auch als Geschäftsführer. Dies sind häufig Positionen mit internationaler Verantwortung, und einer großen Bandbreite an Aufgaben. Hier zeigt sich, dass die Teilnehmer den Herausforderungen des Arbeitsmarktes dauerhaft gewachsen sind.

Nach dem Bachelor Abschluss bieten wir den Studierenden zudem die Möglichkeit, auch die akademische Karriere zielgerichtet voranzutreiben: mittels eines Master Studiengangs oder auch, darauf folgend, sogar einer Promotion im jeweiligen Fachgebiet.

 

Smadias: Letzte Frage Herr Heim: Für welche Studiengänge gibt es Ihr Angebot?

 

Heim: Der Ausgangspunkt unseres Career&Study Programm waren betriebswirtschaftliche Studiengänge. Inzwischen ist unser Angebot deutlich breiter augestellt. In Zusammenarbeit mit unseren ausgewählten Partnerhochschulen können wir jetzt auch berufsbegleitende Studiengänge für angehende Ingenieure oder Informatiker anbieten. Auch für das Gesundheitswesen haben wir entsprechende Lösungen. Zudem gibt es immer die Möglichkeit, für interessierte Unternehmen auch individuelle Lösungen außerhalb unseres regulären Programms zu erarbeiten.

 

Smadias: Herr Heim, vielen Dank für das Gespräch.

 

Herr Heim bei Xing

 

 

Share

Schreibe einen Kommentar