Analoge Antriebslosigkeit – Digitale Höchstaktivität

Analoge Antriebslosigkeit – Digitale Höchstaktivität
22 Okt 2014

Analoge Antriebslosigkeit – Digitale Höchstaktivität

Eine gewisse Antriebslosigkeit speziell in der „realen und analogen“ Welt wurde der Generation Z in einem Workshop, den wir diese Woche durchführten, nachgesagt. Diese Aussage brachte die teilnehmenden Ausbilder und Personalentwickler im Workshop Generation Z zum Nachdenken. Gemeinsam diskutierten wir über weitere Beobachtungen, Erfahrungen und Meinungen zu einer kommenden Generation von Azubis und Studenten und müssen einer dieser zusprechen, dass sie sich zwar anders verhält und teilweise eine andere Einstellung hat, aber grundsätzlich nicht schlechter oder unfähig ist!

Folgende Beobachtungen wurden diskutiert:

Verändertes Verhältnis zu Mode, Kleidung , Accessoires und Körperschmuck
An diesem Punkt hielten wir uns nicht lange auf, da dies schon immer ein Punkt war, mit dem sich Jugendliche abgrenzen und sich individualisieren möchten.

Respekt und Anerkennung von Hierarchien
Wir überlegten, was die Gründe für mangelnden Respekt und das mangelnde Anerkennen von Hierarchien sein können und kamen zu dem Entschluss, dass junge Menschen ein anderes Verständnis von Respekt haben. Respekt vor einer Person zu haben, die diesen „nur“ aufgrund eines Titels wie Abteilungsleiter hat, ist nicht erstrebenswert. Vielmehr muss sich auch der Abteilungsleiter den Respekt der Azubis und Studenten erarbeiten und dabei nicht nur fachlich glänzen, sondern vor allem menschliche Fähigkeiten wie Einfühlungsvermögen, Kommunikationsfähigkeit und Motivationsfähigkeit mitbringen. Des Weiteren muss eine Führungskraft aus Sicht der Jugendlichen bereit sein, Sachverhalte und Hintergründe zu erklären und damit Arbeitsaufgaben einen Sinn geben und auch bereit sein, anderen an Entscheidungsprozessen teilhaben zu lassen.

Umgang mit digitalen Werkzeugen
Beeindruckend war für alle Teilnehmer die Tatsache, dass viele junge Menschen eine hohe Bedienkompetenz bei technischen Geräten aufweisen. Nach dem Trail-and-Error-Prinzip kommt man der gewünschten Lösungen näher und zeigt in der digitalen Welt ein hohes Maß an Motivation. Kritisch wurde beleuchtet, dass die Nutzung der Werkzeuge im Vordergrund steht, jedoch kaum ein Bewusstsein für die Risiken und Gefahren oder Hintergrundwissen über Funktionsweisen besteht.

Sprache und schriftliches Ausdrucksvermögen
„Wie kann es sein, dass ein Schüler 10 Jahre in der Schule war und keine 2 Sätze fehlerfrei schreiben kann?“ Über das schriftliche Ausdrucksvermögen wurde viel diskutiert und z.B. anhand des Berichtshefts, welches die Azubis schreiben, verdeutlicht. Die Schreibkompetenz hat sich in den letzten Jahren maßgeblich verschlechtert, während die Gründe vielseitig sein können. Die Übergänge von der virtuellen, über die mündliche zur schriftlichen Kommunikation sind heute sehr fließend und so werden, z.B. im Sprachgebrauch, auch Abkürzungen aus der Kommunikationswelt von Whats App und Co. benutzt. Anderseits halten sprachliche Ausdruckweisen Einzug in die schriftliche Kommunikation. Deutlich wird dies, wenn man eine Mail in Mundart oder Dialekt von einem Azubi oder Student erhält und zudem in der Mail noch konsequent auf richtige Orthographie verzichtet wird.

Informationskompetenz und Selbstüberschätzung
Auch dieser Punkt wurde kontrovers diskutiert und die Selbstüberschätzung und das damit einhergehende große Selbstbewusstsein kann nicht auf alle jungen Menschen übertragen werden. Manche Beobachtungen tragen dazu bei, dass solch ein Eindruck schnell entsteht und verallgemeinert wird. Beispiele hierfür wurden viele angeführt, wie z.B. der Sachverhalt, dass neue Azubis in die Abteilung kommen und wenn man ihnen etwas erklären will, sie vieles schon „wissen“ und vieles „absolut klar“ ist. Bohrt man dann ein wenig nach, stellt man schnell fest, dass nur oberflächliches Wissen vorhanden ist und sich die jungen Menschen mit dieser Oberflächlichkeit auch zufrieden geben. In diesem Zusammenhang wurde auch das Informationsverhalten angeprangert. Alles Wissen ist einen Mausklick entfernt – „Warum Denken und Lernen, wenn es Google gibt?!“ Informationen werden schnell aufgenommen, aber nicht gründlich hinterfragt oder kritisch beleuchtet. Dies ist aber eine Grundvoraussetzung um Probleme ganzheitlich zu verstehen, zu erfassen und einordnen zu können, um dann gute Lösungswege zu finden.

 

Liebe, Sexualität, Voyeurismus

Sexting, das Versenden von Bildern auf welchen man eher spärlich bekleidet ist, ist inzwischen für viele Jugendliche eine Selbstverständlichkeit. Auch wenn man sich nicht in einer Partnerschaft befindet, werden Bilder an andere versendet. Oftmals ist es das Ziel, eine Bestätigung der eigenen Person durch andere zu bekommen. So ist es z.B. Realität, dass Schülerinnen sich von ihren Mitschülern über Whats App bewerten lassen und somit ein „Schönheitsranking“ innerhalb einer Schule entsteht. Männliche Jugendliche haben schon sehr früh Kontakt zur Sexualität, da die Hürden im Internet extrem niedrig sind. Das, was auf „Youporn“ oder „Pornhub“ zu sehen ist, hat mit Liebe und Zuneigung allerdings recht wenig zu tun, sondern stellt nur Pornografie in allen erdenklichen Ausprägungen dar. Das Wesentliche einer Partnerschaft wird durch diese Art von Videos nicht vermittelt und es entsteht schnell der Eindruck, dass das Gesehene die tägliche Routine bedeutet.

 

Ausdauer, Frustrationstoleranz und Kreativität

Eine Beobachtung, die von Ausbildern in den letzten Jahren immer häufiger gemacht wird, ist die, dass eine gewisse Ausdauer nicht mehr vorhanden ist. Ausdauer in diesem Zusammenhang bedeutet, dass ich mich durch Probleme durchboxe, immer wieder versuche eine Lösung zu schaffen oder andere zu Rate ziehe, um gemeinsam zu einer Lösung zu kommen. Eine gewisse Frustrationstoleranz ist jedoch in den meisten Jobs unabdingbar und eine wesentliche Eigenschaft. In der Gruppe hatten wir in diesem Zusammenhang auch über Helicopter Parents gesprochen. Das sind die Eltern, die wie Helikopter über ihren Kindern kreisen- um sie vor allen unguten Situationen zu schützen und alle Steine aus dem Weg räumen. Da werden Sporttaschen für die Kinder gepackt, sie werden zum Training gefahren, die Mutter bringt die gewaschene Arbeitskleidung in die Lehrwerkstatt, der Vater richtet abends die Schultasche damit auch ja nichts vergessen wird …usw.

Die Eltern verfolgen das Ziel, Schmerz und Leid von den eigenen Kindern abzuwenden. Ist es ein großes Leid, wenn der Sohn aufgrund von fehlenden Heften in der Schule eine Strafarbeit bekommt und die Tochter beim Reittraining nicht mitmachen darf, da der Helm vergessen wurde? Aus Sicht der teilnehmenden Ausbilder und Fachausbilder läuft hier etwas in der Erziehung grundlegend falsch.

 

Es wird über alles diskutiert

Junge Menschen wachsen heute meist anders auf und werden anders erzogen als „früher“. Früher gab es im Familienkreis oft klare Ansagen, wer was zu tun hat, welche Aktivitäten unternommen werden, wann Fernsehen geschaut wird und wann wer und wo beim gemeinsamen Abendessen sitzt.
Heute wird mit den Kindern an gemeinsamen Entscheidungen gearbeitet und diskutiert. So kann sich die Planung der Wochenendaktivitäten sehr lange hinziehen, weil jeder gehört wird und sich jeder einbringen kann. Auch ein Einkauf kann heutzutage länger dauern, da auch 3-jährige an der Wursttheke mitentscheiden dürfen, wovon und wie viel gekauft wird. Von Urlaubszielen, Kinobesuchen, Speiseplänen, Internetnutzung wollen wir hier gar nicht sprechen! Diese jungen Menschen, die so aufwachsen, haben es jahrelang gelernt sich einzubringen und zu hinterfragen. In der Ausbildung kommt es dann vor, dass ein Ausbilder eine Arbeitsanweisung ausspricht und der Auszubildende ihn ungläubig ansieht und einfach fragt: „Warum? Ist das wichtig und prüfungsrelevant und steht das im Rahmenlehrplan“. Schnell ist ein Urteil gefällt: „Kein Anstand, kein Respekt – no Future“ – aber nur, wenn man die Hintergründe für dieses Verhalten nicht kennt.

 

Die Liste lässt sich beliebig lang fortsetzten. Im Seminar für Ausbilder haben wir noch viele weitere Beispiele gefunden und uns überlegt, wie Lösungsansätze aussehen können und wir mit diesen Situationen in Zukunft umgehen wollen. Wir haben uns z.B. auch erarbeitet, welche Erwartungen Azubis und Studenten an die Ausbilder / Fachausbilder, aber auch an das Unternehmen haben und welche Erwartungen eine Geschäftsführung an die Mitarbeiter der Zukunft- aber auch an die Ausbilder hat.

Ein absolut spannender Workshop, den wir anderen Ausbildungsunternehmen wärmstens empfehlen können. So bereitet man sich auf die Zukunft vor, motiviert seine Ausbilder und schafft im unternehmen Verständnis für die verschiedenen Generationen.

 

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