Eine stark verunsicherte Generation

Eine stark verunsicherte Generation
02 Mrz 2015

Eine stark verunsicherte Generation:

In einem Workshop zum Thema „Meine berufliche Zukunft“ konnten wir wieder einen hervorragenden Einblick in die Generation Z erhalten. Mit sehr interessanten Erkenntnissen sind wir nach Hause gefahren und möchten Sie als unsere Leser daran teilhaben lassen.

Wir baten einige Teilnehmer eine Bewerbung zu verfassen und zwar so, wie sie es Stand heute machen würden. Die Vorgaben waren, sehr ehrlich zu sein und das Ganze auf maximal einer Seite nieder zu schreiben. Schon allein die Tatsache, dass das Anschreiben eine Seite lang sein soll, stellte die meisten vor große Herausforderungen.

Hier die Bewerbung von Nina

Ehrliche Bewerbung von Nina 

Was fällt im Anschreiben auf?

Wenn man sich das Anschreiben von Nina ansieht, kann man vieles erkennen. Die Eltern sind in Ninas Leben die treibende Kraft, wenn es um das Thema Ausbildung geht. Das sie aus einer Patchwork Familie kommt, ist nicht weiter verwunderlich, da es heute oftmals die Realität darstellt. Was fällt noch auf?

  • Die Eltern sind wichtig, aber nerven (Ok, Nina ist 16 Jahre alt)
  • Ninas Freunde gehen nach der Schule auf eine weiterführende Schule und Nina hat darauf „eigentlich“ auch Lust
  • Ein gewisses Selbstbewusstsein kann man Nina bestätigen. Die Noten sind zwar nicht gut- aber sie als Mensch ist „gut“
  • Lehrer werden nicht als sehr hilfreich in der Phase der Berufsorientierung angesehen
  • Das Thema „Lehre und Lernen“ wird in Frage gestellt ,da alles Wissen ja eh irgendwo abrufbar ist
  • Die Berufsberatung hat in Ninas „Fall“ eher zur weiteren Verunsicherung beigetragen
  • Der Verdienst und die Arbeitsbedingungen sind Nina sehr wichtig
  • Nina definiert sich stark über Ihre Follower und Fans
  • Moderne Kommunikationsmittel wie WhatsApp gehören zur Berufswahl für Nina dazu
  • Der Verweis auf YouNow.com und Instagram zeigt, dass diese Kanäle Relevanz haben

 

Wenn wir diese Beobachtungen mit der Ausbildungsbrille ansehen, können wir uns verschiedene Fragen stellen:

  • Haben wir als Ausbildungsbetrieb die Aufgabe beim Thema Berufsorientierung in die Breschen zu springen?
  • Sind die von uns angebotenen Praktika so gestaltet, dass diese Tage oder Wochen Orientierung geben oder ist es nur ein „absitzen“ von Zeit?
  • Wie oft geben wir Rückmeldung an die Azubis und wie ehrlich sind wir bei den Rückmeldungen oder Beurteilungen? Reden wir auch mal Tacheles?
  • Wie können wir Lehrer unterstützen, damit eine gute Berufsorientierung auch dort gelebt und geboten wird?
  • Wann erfahren Bewerber etwas über den Verdienst und die Arbeitsbedingungen im Unternehmen, aber auch darüber, was wir als Ausbildungsunternehmen von unseren Mitarbeitern von morgen verlangen?
  • Warum gibt es bei uns in der Ausbildung keine Fans und Follower und keinen Like- Button für geleistete Arbeit und keine Gamifikation- Ansätze?
  • Weshalb nutzen Unternehmen kaum WhatsApp im Recruitingprozess? (Ja, Datenschutz ist wichtig- aber man kann auch alles totreden….)
  • Ausbildungsmarketing spielt heute nicht mehr nur auf Messen und meist langweiligen Ausbildungswebseiten eine Rolle, sondern verlagert sich dorthin, wo sich die Zielgruppen aufhalten. YouNow und Instagram sind geniale Tools wenn man sie richtig bedient und nutzt!

 Nachdenken!

Liebe Leser, diese ungeschönte Bewerbung sollte uns zu denken geben und wir müssen überlegen, welche Folgen dies für uns persönlich und für unsere Ausbildung hat. Diese Woche wollen wir mit den Ausbildungsleitern eines Unternehmens genau diese Fragestellungen in einem Innovationsworkshop für Ausbilder bearbeiten und uns gemeinsam auf den Weg zur agilen Ausbildung machen.

Ihre Meinung interessiert uns. Schreiben Sie Ihre Gedanken und Ideen an buschbacher@smadias.de

 

 

 

 

 

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