Digitale Fitness in der technischen Ausbildung

Digitale Fitness in der technischen Ausbildung
05 Jul 2015

Digitale Fitness in der technischen Ausbildung

In einem spannenden Projekt durften wir von Smadias – Deutsche Ausbilderakademie, 5 technische Ausbilder und den Ausbildungsleiter auf dem Weg zur digitalen Ausbildung unterstützen.

Wer glaubt, dass neue Werkzeuge und aktuelle Methoden in der technischen Ausbildung fehl am Platz sind, lebt noch in der „alten“ Welt und nutzt wahrscheinlich noch die schriftlichen Lehrgänge von irgendwelchen Anbietern aus dem vorherigen Jahrtausend, arbeitet mit Kopiervorlagen, verbietet das Handy und lässt die Nutzung des Internets nur in den Pausen an den dafür vorgesehenen Terminals zu.

In dem Unternehmen, welches wir unterstützt haben, war es z.B. üblich, dass die Auszubildenden einen dicken, schweren Ordner zum Ausbildungsstart erhalten in dem sehr viel „wichtiges“ stand. Wie beantragt man Urlaub, wie verhält man sich im Krankheitsfall, wie läuft die Notenabgabe nach dem Blockunterricht. Dieser Ordner wurde jährlich immer wieder gut bestückt, ergänzt, kopiert und verteilt.

 

Bequemlichkeit – Raubkopien – Freie Lehrmaterialien

Viele Unterlagen, die für die Ausbildung benötigt wurden, stellte der Ausbilder auch zur Verfügung und versorgte die Azubis immer gut mit Kopien aus Büchern und selbst erstellten bzw. gekauften Lehrgängen. Für die Azubis ein äußerst bequemer Weg: Warten- der Ausbilder wird es schon bringen, genau so wie die letzten Jahre in der Schule- wo dieser Job von den Lehrern übernommen wurde. Ganz am Rande sei bemerkt, dass viele Kopien des Lehrmaterials das Urheberrecht verletzen und keinerlei Lizenzgebühr an Autoren oder Verlage bezahlt wurde. Dies nennt man Raubkopie und Ausbildungsleiter und Ausbilder sind gut beraten, sich mit dieser Thematik auseinander zu setzen. Hier ein paar Links um sich über die Möglichkeit der freien Lehrmaterialien zu informieren. Der Fachbegriff lautet: OER – Open Educational Resources

 

OER – Open Educational Resources – https://de.wikipedia.org/wiki/Open_Educational_Resources

OER – International – https://www.oercommons.org/

E-Teaching – https://www.e-teaching.org/didaktik/recherche/oer

 

Ein Blended Learning Kurs für Ausbilder

In einer ersten Veranstaltung haben wir die Ausbilder in die Thematik eingeführt, vieles gezeigt und erklärt. Interessant war auch, dass „neue digitale Medien“ von den Ausbildern kaum genutzt wurden.

Digitale Bestandsaufnahme (Auszug aus einem sehr umfangreichen Readiness Check für Ausbilder):

  • 1 von 6 teilnehmenden Ausbildern nutzt Facebook
  • Wikipedia wurde von 4 Teilnehmern als „unzuverlässige Quelle“ betitelt
  • 3 wussten nicht, was es mit Apps auf sich hat bzw. hatte noch nie welche geladen
  • Instagram war zwei Teilnehmern ein Begriff- wobei es von keinem genutzt wird
  • YouTube kannten alle – die Filterfunktion von YouTube kannte keiner und noch niemand hatte Videos hochgeladen
  • 4 Teilnehmer nutzten WhatsApp im Familienkreis bzw. im Freundeskreis
  • E-Learning und Blended Learning wurde als „nicht relevant“ bewertet
  • 1 Ausbilder hatten ein iPad, welches er zum Surfen verwendet
  • 1 Ausbilder verfügt über ein Kindle Lesegerät
  • Mobile Learning und Learning Nuggets waren keine Begriffe

Immerhin waren 6 Teilnehmer freiwillig in der Weiterbildung für Ausbilder 😉

 

Tellerrand – was in der Ausbildung möglich ist

Nach dem Blick über den Tellerrand ging es an die Umsetzung. Die ersten Hürden bestanden darin, die von uns gestellten Chromebooks, iPads und iPhones mit dem WLan zu verbinden, iTunes zu aktivieren und den Google Playstore auf den Chromebooks aufzurufen.

Die Ausbilder experimentierten mit den verschiedensten Dingen wie QR-Codes, iPhones, Videos, Storifys, Learning Apps, virtueller Realität, mit einer Google Virtual Reality Brille und vielem mehr. Die Teilnehmer hatten viel Spaß am Testen und Forschen und konnten auch gleich viele Ideen für die tägliche Ausbildungsarbeit daraus ableiten.

Die Onlinewochen – Webinare für Ausbilder

Nach dem 2-tägigen Seminar gingen wir in die Onlinewochen über. In den folgenden 6 Wochen führten wir für die Ausbilder eWebinare durch und vermittelten über diesen Weg weitere Inhalte. Webinare waren bis dahin bei den Ausbilder nicht bekannt und alle waren ganz erstaunt, welche guten Interaktionsmöglichkeiten es gibt. In den Webinaren wurde es nie langweilig – dies lag sicherlich auch daran, dass alle Teilnehmer mit Headset und Kamera ausgerüstet waren und sich gut mit ihren Fragen und Wünschen einbringen konnten. Jede Woche bekamen die Ausbilder dann noch kurze Aufgaben, die sie dann in der Folgewoche im Webinar mit den anderen Teilnehmern diskutierten.

 

Als die Onlinewochen zu Ende gingen, trafen wir uns nochmals zu einem Präsenzworkshop um die Ergebnisse der letzten Wochen zu analysieren und vor allem zu prüfen, was jetzt in den Ausbildungsalltag Einzug halten kann und wird. Von Begriffen wie didaktische Reduktion, didaktisches Design, formelles und informelles Lernen, Quantifizierung aber auch Microblogging und Bring your on Device (BYOD) und Apps sprachen alle technischen Ausbilder und Ausbildungsleiter als hätten sie noch nie etwas anders getan – die Lernkurve war hör- und sichtbar. In der Zwischenzeit wurden auch alle Ausbilder mit einem Tablet PC und einem iPhone ausgerüstet. Auf diesen Dienstgeräten war es auch ausdrücklich erlaubt, „private“ Apps zu installieren und zu betreiben.

 

Cloud Ausbildung – eine geniale IT- Abteilung

Die IT- Abteilung des Unternehmens war für das Projekt ein hervorragender Partner, der enorm vieles möglich gemacht hat und die Chancen für die Ausbildung gesehen hat. So war es z.B. problemlos möglich, eine Software zur Erstellung von Screencast bereit zu stellen, einen aktuelle Browser für die Onlinephase zu nutzen und eine Cloud für Ausbildungsinhalte zu installieren, damit Azubis von überall aus mit ihren eigenen Geräten auf relevante Inhalte zugreifen können, Termine im Kalender sehen und sich über das interne soziale Netzwerk auszutauschen können.

 

Fazit der Personalleiterin und der Ausbildungsleiter:

Die Personalleiterin und der Ausbildungsleiter waren mit dem Ergebnis der Weiterbildung für die Ausbilder äußerst zufrieden und sehen gute Chancen, dass die Ausbilder auf dem Weg zu „Industrie 4.0“ mitgenommen werden und vieles auf den Ausbilderalltag übertragen können.

Laut Aussage der Personalleiterin ist die „Digitale Fitness“ von Ausbildern, egal ober technisch oder kaufmännische, erfolgsentscheidend für die Zukunft. Jeder Ausbilder sollte sich heute überlegen, ob seine Ausbildung noch zeitgemäß ist!

Haben Sie auch Interesse an dem Thema „Digitale Fitness“ für Ausbilder? Dann nehmen Sie gern Kontakt mit uns auf: info@smadias.de

 

Smadias - Zukunft der Ausbildung

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