Digitale Ausbildung – Ausbildung in der Cloud

Digitale Ausbildung – Ausbildung in der Cloud
05 Feb 2015

Digitale Ausbildung – Ausbildung in der Cloud

Ist die Ausbildung so wie wir sie heute kennen und durchführen noch zukunftstauglich? Kann die heutige Ausbildung noch mit der Veränderungsgeschwindigkeit, welche die Unternehmen umgibt, mithalten? Ist das Lernen auf Vorrat in der Ausbildung weiterhin eine gute Idee für unsere Fachkräfte von morgen?

In vielen Gesprächen mit den Vordenkern in der Ausbildungsszene erlebe ich derzeit vier wegweisende Richtungen, die Ausbildungsunternehmen heute einschlagen:

 

 Vier Strategien der Ausbildungsleitung

 

Rückbau einiger Ausbildungsberufe und der Ausbildung

Je nach Branche denken manche Unternehmen über einen radikalen Rückbau der eigenen Ausbildung nach. Fachkräfte, die man heute noch ausbildet, werden morgen schlicht nicht mehr benötigt. z.B. berichtete ein Ausbildungsleiter eines Maschinenbauunternehmens davon, dass er den Beruf des Industriemechanikers auslaufen lässt, da er dessen Qualifikation in den deutschen Werken nicht mehr benötigt. Der Themenkomplex Industrie 4.0 verlangt nach anderen Qualifikationen und immer mehr Hybrid- und Prozesswissen. Weg von der hohen Spezialisierung- hin zu breitem Basiswissen in verschiedensten Bereichen. Jobs, die heute standardisierte Arbeiten erledigen, werden noch mehr automatisiert und auch weiterhin in das Ausland verlagert. Auch im Dienstleistungssektor, wie z.B. in den Banken und Versicherungen, kann man eine Veränderung feststellen. Geschäftsstellen werden geschlossen, die Beratung wird mehr und mehr durch intelligente IT-Systeme übernommen und eine nachfolgende Generation von Kunden verlangt ganz andere Beratungs- und Dienstleistungslösungen als die, die heute angeboten werden.

 

Ausbau der Ausbildung

Dort wo heute schon Fachkräfte fehlen oder händeringend gesucht werden, ist die Bereitschaft auszubilden meist sehr hoch. Mit einigen Softwareunternehmen konnte ich die Erfahrung sammeln, dass die eigene Ausbildung einen hohen Stellenwert hat und den ausgelernten Fachkräften gute Perspektiven in den Unternehmen geboten werden können. Auch in der IT werden aber immer mehr Aufgaben automatisiert und daher ist man als Ausbildungsunternehmen gut beraten, genau zu prüfen, welche Berufe man in den nächsten Jahren benötigt. Eine gute Übersicht über IT-Berufe gibt es hier: http://www.it-berufe.de/

Auch die großen Onlineprotale bilden inzwischen aus. Auch diese haben erkannt, dass die Qualifikation der am Markt vorhandenen Ressourcen entweder nicht vorhanden oder aber sehr teuer einkauft werden müssen. Die Digitalbranche benötigt auch dringend angepasste Berufsbilder wie ein z.B. einen Online-Einzelhandelskaufmann, Big-Data Analysten oder Cloud- und Sicherheitsexperten. Hier sind die momentan angebotenen Berufe nicht optimal aufgestellt weil die Veränderungen so rasant von statten gehen. Die Ausbildungsunternehmen gehen auch mit den Kammern hart ins Gericht, weil auch dort das Thema „Geschwindigkeit“ meist eine ganz andere Bedeutung hat.

 

Verlagerung der Ausbildung

Einige Unternehmen verlagern zunehmend die Ausbildung ins Ausland, um dort in eigenen Werken mit gut qualifizierten Mitarbeitern punkten zu können. Ausbildung in den USA, Mexiko, China aber auch Ungarn oder auch auf dem Balkan steht bei manchen Personalleitern derzeit auf der Agenda. Auch bei den Jobangeboten für deutsche Ausbilder im Ausland ist eine Zunahme des Angebots zu bemerken. Hier ein Beispiel des Unternehmen IMS Gear, die derzeit Ausbildung für USA und Mexiko suchen. Link: Ausbilder gesucht

Ausbildung made in Germany hat im Ausland einen hohen Stellenwert – allerdings wird bei solchen Vorhaben meist versucht, bestehende Konzepte eins zu eins auf andere Länder zu übertragen, anstatt auch hier die Chance zu nutzen, neue Ideen mit einfließen zu lassen, die Ausbildung anzupassen und die Digitalisierung zu berücksichtigen. Ende Juli werde ich selbst auch wieder in Shanghai einen Vortrag vor über 200 geladenen Gästen zum Thema „Ausbildung 2.0 – High Tech benötigt eine angepasste Ausbildung“ halten. Zusammen mit der AHK und zwei Industriepartnern geben wir einen Einblick in die Ausbildung der nächsten Jahre. Die Erfahrung zeigt, dass die Entscheidungsgremien in China sehr viel Interesse an neuen Möglichkeiten und Technologien im Ausbildungsumfeld haben und das Bewusstsein für die Veränderung wesentlich höher ist als in Europa!

 

Digitalisierung – „Cloud Ausbildung“

Ausbildungsunternehmen, die weiterhin viel auf den Standort Deutschland setzten, bauen die eigene Ausbildung komplett und konsequent um. Vorreiter sind hier z.B. das Unternehmen Trumpf. Ausbildungsleiter Andreas Schneider hat die Zeichen der Zeit erkannt und bringt die Digitalisierung in Form einer Cloud-Ausbildung zum Laufen. Austausch über Werke hinweg über interne soziale Netzwerke oder die Bereitstellung von Lerninhalten in der Cloud sind hier inzwischen auf dem Vormarsch. In der Finanz- und Dienstleistungsbranche setzt die Kreissparkasse Göppingen mit ihrem Ausbildungsleiter Manfred Stoiber absolute Maßstäbe in Deutschland. Auch hier ist die digitale Ausbildung inzwischen sehr weit fortgeschritten und alle Auszubildenden und DH-Studenten arbeiten mit dem iPad oder Laptop unabhängig von Ort und Zeit. Lernerfolgskontrolle und die Bereitstellung von Lernmaterialien erfolgt ausschließlich digital – Mobile Learning gehört zum Alltag. Alle Auszubildenden haben uneingeschränkt Zugriff auf alle relevanten Daten. Selbständigkeit und Selbststeuerung werden hier gefordert und gefördert. Beide Unternehmen haben erkannt, das eine Notwendigkeit zur Veränderung besteht und qualifizieren auch konsequent die eigenen Ausbilder weiter, geben Freiräume und sorgen für die technischen Möglichkeiten um Neues auszuprobieren und zu testen. Immer mehr Ausbildungsunternehmen erkennen, dass die Veränderungen, die Digitalisierung oder die Industrie 4.0 mit rasender Geschwindigkeit auf sie zukommen und reagieren. Benno Bohn, Ausbildungsleiter bei der SICK AG hat dies auch erkannt und auch seine Ausbilder auf das Thema eingestimmt. In den nächsten Wochen bereitet sich auch das Unternehmen Beiersdorf AG darauf vor und alle Ausbilder durchlaufen unser Programm „Ausbildung Next“. Es tut sich was in Deutschland!

 

 Ausbilder Forum – Ausbilder Barcamp

In einem branchenübergreifenden Barcamp für Ausbildungsleiter, das wir seit einigen Monaten durchführen, diskutieren wir immer wieder mit den Vordenkern die o.g. Themen. In lockerer Atmosphäre treffen wir uns in unregelmäßigen Abständen um voneinander zu profitieren. Benchmark ist zwar ganz nett, aber mit dem Format Barcamp für Ausbildungsleiter erreichen Sie wesentliche mehr und bekommen sehr gute Denkanstöße um die eigene Ausbildung zukunftsorientiert auszurichten.

 

Haben Sie auch Interesse am Austausch? Sprechen Sie mich gern an: Mail an Buschbacher@smadias.de

 

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