Der Weg von der Ausbildung 1.0 zur Ausbildung 4.0

Der Weg von der Ausbildung 1.0 zur Ausbildung 4.0
13 Mrz 2016


Industrie 4.0 in der Ausbildung

 

Immer mehr Ausbildungsabteilungen beschäftigen sich mit dem Themenfeld „Industrie 4.0 in der Ausbildung und der Zukunftsfähigkeit der Ausbildung“. Oft stoßen die Ausbildungsleiter dabei an Grenzen, weil die gewachsenen Strukturen und die Denkweise der beschäftigten Ausbilder mit den neuen Ideen von Ausbildung und der veränderten Arbeitswelt der Zukunft nicht übereinstimmen. In zahlreichen Projekten, in denen ich Ausbildungsunternehmen begleite, stelle ich fest, dass es verschiedene Zustände in der Ausbildung gibt. Mit Personalleitern und Ausbildungsleitern führe ich regelmäßig Diskussionen über den Run-Modus bzw. den Change-Modus in der Ausbildung und dieser Austausch darüber ist immer sehr inspirierend.

 

Die Unterschiede

Unter dem Modus „Run the Ausbildung“ verstehe ich die Ausbildung, wie sie seit Jahren in den Unternehmen durchgeführt wird. Historisch gewachsene Strukturen und die klassische Art der Zusammenarbeit, welche von Hierarchien und Abteilungen geprägt sind, bestimmen die Abläufe. Die Abteilungen, wie Labor, die Mechanik, die Elektrotechnik oder die Kaufleute werden separat in Abteilungen ausgebildet und die Ausbilder denken stark in ihren Silos. Der Run-Modus in der Ausbildung ist geprägt von Stabilität und und die über Jahre gewachsenen Strukturen mit Ausbildungsleiter, Stellvertreter, Fachausbilder und Ausbildungsbeauftragten. Sie bilden das Rückgrat der Ausbildungsabteilung. Das Tagesgeschäft wird abgewickelt und die Azubis und Studenten sicher durch die Prüfung gebracht. Selbstverständlich wird auch in Ausbildungsabteilungen ständig an kleinen Verbesserungen gearbeitet und es wird damit eine Qualitätsverbesserung oder eine Effizienzsteigerung der Ressourcen/Prozesse angestrebt.

Wenn man mit Mitarbeitern aus dem „Run Modus“ ins Gespräch kommt und das Thema Veränderung anspricht, fällt oft folgender Satz:

„Warum sollen wir uns verändern? Wir bringen doch alle Auszubildenden durch die Prüfung und vermitteln ganz genau das, was im Lehrplan steht. Wir erhalten Belobigungen und unsere Azubis haben immer Spitzenplätze bei der IHK Ehrung.“

 

 

Unter dem Modus „Change the Ausbildung“ verstehe ich eine neue Art der Ausbildung hinsichtlich der eingesetzten Lehr- und Lernmethoden, der Zusammenarbeit in interdisziplinären Teams und der Nutzung von neuen Technologien. Bewusst aufgebrochene Strukturen und eine agile Ausbildungs- und Arbeitsweise sind wesentliche Merkmale. Der Change-Modus in der Ausbildung ist geprägt von einer hohen Informationsflut, starker Vernetzung, hoher Betriebsgeschwindigkeit, sowie dem starken Willen, bisherige Abläufe und Prozesse komplett Frage zu stellen und zu verändern.

Wenn man mit Ausbilder aus dem „Change Modus“ ins Gespräch kommt und das Thema Veränderung anspricht hört man z.B. folgendes:

„Ist eine Strukturierung in 1. bis 4. Lehrjahre noch zeitgemäß? Warum haben wir nicht 36 Level bis zum Eintritt in das Berufsleben und warum gibt es keine Badges? Warum halten wir uns mit Prüfungen auf und warum behandeln wir alle Auszubildenden gleich? Wie können wir individuelle Lernpfade in der Ausbildung erstellen und wie kann uns Learning Analytics dabei unterstützen?“

 

Welche Typen von Ausbildern benötigt man für den Run-Modus oder den Change Modus in der Ausbildung?

Für Ausbilder, die über die Jahre stark von Hierarchien und Abteilungen geprägt wurden, haben Sicherheit und starre Strukturen einen hohen Stellenwert und daran festzuhalten ist für sie sehr wichtig – oft wird dies mit den „Werten“ der Ausbildung beschrieben bzw. verstanden. Aus dem Run-Modus der Ausbildung auszubrechen, fällt diesen Kollegen äußerst schwer und Veränderungen werden teilweise als Angriff oder Infragestellung ihrer Arbeit wahrgenommen. Schnell wird dann auch diskutiert, dass die Hauptaufgabe des Ausbilderjobs nicht darin besteht Veränderungen zu begleiten und Neues in die Ausbildung zu bringen, sondern darin, die Auszubildenden und Studenten mit Wissen zu versorgen und sie auf das Berufsleben vorzubereiten.

 

Immer mehr Personalleiter und weitdenkende Ausbildungsleiter sehen die Notwendigkeit, vom Run in den Change-Modus in der Ausbildung zu gelangen und stellen dafür auch die Weichen. Neue Kollegen werden temporär in der Ausbildung für z.B. 5 Jahre beschäftigt um frische Gedanken in die Ausbildung zu transportieren und bewusst Abläufe und Prozesse komplett in Frage zu stellen und zu verändern. Nach 5 Jahren werden diese temporären Ausbilder wieder ausgetauscht um Stillstand und starre Strukturen zu vermeiden. In Unternehmen, in denen über neue Arbeitsmethoden diskutiert wird, sind solche Vorgehensweisen denkbar und umsetzbar. In Unternehmen, die noch nicht den nächsten Reifegrad erreicht haben, sind sie dagegen fast undenkbar.

 

Die Gefahr der fragmentierten Kultur in der Ausbildung ist selbstverständlich gegeben, wenn wir altgediente Ausbilder mit neuen temporären Ausbildern vereinen und zusammenarbeiten lassen. Es kann eine Zwei-Klassen Gesellschaft innerhalb der Ausbildermannschaft entstehen, wenn die altgedienten Ausbilder an der kurzen Leine geführt werden und den neuen Ausbildern größtmögliche Freiheiten gewährt wird. Hier ist eine Führungspersönlichkeit gefragt, die sowohl den Run-Modus und den Change Modus begleiten und die jeweiligen Mitarbeiter führen kann.

 

Kann es gelingen, Ausbilder die im „Run-Modus“ arbeiten für den „Change-Modus“ zu begeistern? Diese Frage wurde mir vor kurzem von einem Ausbildungsleiter gestellt, der 42 Ausbilder führt. Ich glaube, dass die über Jahre hinweg gelernten Verhaltens- und Arbeitsweisen nicht von heut auf morgen verändert werden können und das sich nur durch langfristige Begleitung Verhaltensänderungen einstellen werden. Es ist auch nicht damit getan, gelegentlich einen frisch ausgelernten Mitarbeiter in die Ausbildung zu übernehmen – dieser wird die Verhaltensweisen von den Kollegen aus dem „Run-Modus“ in atemberaubender Geschwindigkeit übernehmen und sich sehr schnell anpassen.

 

Der Schlüssel liegt wahrscheinlich in der teilweisen Erneuerung des Ausbildungspersonals und der Führungskräfte, die für die Ausbildung verantwortlich sind. Dort, wo dies nicht möglich ist, wird man weiterhin den „Run the Ausbildung“ Modus fahren und sich irgendwann wundern, wenn man an der Realität vorbei ausbildet und von den Fachabteilungen als „Heile Welt Abteilung“ belächelt wird.

 

Stellen Sie Ihre Ausbildung doch auch einmal komplett in Frage. In einem Design Thinking Workshop kommen Sie und die Kollegen garantiert auf ganz neue Ideen und erlangen ein sehr tiefes Verständnis von den Kunden Ihrer Ausbildung.

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