Der Ausbilder als Berater

Individualisierte Ausbildung - Der Ausbilder als Berater
22 Mrz 2017

Zeiten ändern sich! Der Ausbilder wird zunehmend zum Berater. Das Berufsbild der Ausbilder hatte in den letzten Jahren schon viele Veränderungen durchlebt. In unzählig vielen Workshops haben wir viele Ausbilder und Ausbildungsbeauftragte auf die unterschiedlichsten Rollen, die ein Ausbilder einnehmen kann, vorbereitet und mit guten methodischen Werkzeugen ausgestattet. Die vier Rollen, die auch heute noch Bestand haben, werden jetzt um eine weitere wichtige Rolle ergänzt.

Die vier derzeitigen Rollen der Ausbilder:

Der Scout:
Auf dem Laufenden zu bleiben, ist in der schnelllebigen Welt eine Herausforderung, aber enorm wichtig um auf Augenhöhe zu kommunizieren und um Veränderungen frühzeitig wahr zu nehmen. Beispiele: Neue Berufsbilder, veränderte Technologien, veränderte Lerner, neue digitale Methoden der Wissensvermittlung

Der Kulturwandler und Strategie-Berater:
Intern helfen wir zu klären, wie wir das Zusammenspiel verschiedener Generationen unterstützten können, ohne dass es zu Wildwuchs und Machtkämpfen führt. Wir können den Wissens- und Werteaustausch vorantreiben. Beispiele: Mentoring accross Generations, generationenübergreifendes Lernen, Azubi-Lunch mit Führungskräfte, „Mein Leben als Flüchtling“.

Der Kümmerer:
Wir unterstützen den Lernprozess und geben Freiräume, um Erfahrungen zu ermöglichen. Toleranz gegenüber Andersdenkender und Andersartigen gehört für uns in Zukunft ganz selbstverständlich dazu. Beispiele: Vereinigung unterschiedlichster Kulturen in der Ausbildung, Hilfestellung bei persönlichen Problemen, Unterstützung bei finanziellen Problemen, Hilfestellung bei Anträgen und Behördengängen.

Der Qualifizierer

In Form von Unterweisungen bieten wir Unterstützung auch mit digitalen Werkzeugen und zeigen, wie man diese im Ausbildungsumfeld einsetzen kann. Individuelle Lernpfade fordern viel von uns ab. Beispiele: Konzeption von Lehrgängen, Durchführung von innerbetrieblichen Unterrichten, Entwicklung von Blended Learning Formaten in der Ausbildung.

 

In den letzten Jahren stand häufig die Rolle der Qualifizierer an erster Stelle der Ausbilder. Dies ist auch nachvollziehbar, weil wir Ausbilder immer noch daran gemessen werden, wie unsere Auszubildenden an der Prüfung abschneiden, wie viele die Abschlussprüfung erfolgreich ablegen und wie viele Jahrgangsbesten und IHK- Urkunden wir erhalten. Lernen auf Vorrat um die Prüfung zu bestehen, wird sicherlich auch in Zukunft unsere Aufgabe prägen, wobei immer mehr Unternehmen den Prüfungsergebnissen weniger Aufmerksamkeit zollen und eher die Beschäftigungsfähigkeit im Unternehmen nach der Prüfung für wichtig erachten.

 

Veränderte Ausbildungsgruppen

Inzwischen ist es so, dass wir aufgrund von veränderten Typen der Berufsstarter überlegen müssen, wie wir als Ausbilder mit sehr heterogenen Azubigruppen umgehen und die Durchstarter, die Bodenständigen, die Idealisten und die Distanzierten in den Ausbildungsalltag integrieren können (Shell Jugendstudie). Dabei ist zu beachten, dass wir alle Berufsstarter fordern und fördern und erkennen müssen, dass es sehr große Unterschiede was die Lernfähigkeit, die Aufmerksamkeitsspannen, die Einstellungen und Werte gibt.

 

Individualisierte Ausbildung und Lehr- und Lernpläne

Aus den oben genannten Gründen entscheiden sich immer mehr Ausbildungsleiter/-innen dazu, in Zukunft individuelle Lehr- und Lernpläne für die Auszubildenden zu entwickeln und dabei spielt der Ausbilder eine zentrale Rolle. Nur der Ausbilder kann, aufgrund der Nähe zu den Auszubildenden, erkennen, welchen Typ von Berufsstarter er vor sich hat und nimmt daher eine zentrale Rolle ein.

 

Wenn ich mich mit Ausbildern austausche, erhalte ich oft die Aussage, dass individualisiertes Lernen zwar löblich und die Idee gut sein, sich dies jedoch in der Praxis nicht umsetzen ließe. Gründe dafür sind schnell aufgezählt: Große Ausbildungsgruppen müssen betreut werden, viele verwaltende Tätigkeiten wie Arbeitszeiten nachtragen, Schulentschuldigungen, Gespräche mit Eltern und die Arbeit in Arbeitskreisen müssen heute von Ausbildern erledigt werden und nicht zuletzt die vollen Lehrpläne werden genannt.

All diese Punkte sind nachvollziehbar und zeigen mir, dass Ausbilder zunehmend auch darin geschult werden müssen, wie sie alle die Tätigkeiten und Aufgaben unter einen Hut bringen können. Zeit und Selbstmanagement sind daher wichtige Fähigkeiten für Ausbilder, die derzeit meist nicht stark ausgeprägt sind. Hier gibt es Handlungsbedarf!

 

Der Ausbilder als Berater

Um schnellen Ausbildungserfolg zu erzielen, sind Lehr- und Lernpläne, Kurse und Lerneinheiten stark durchgeplant und zielen darauf ab, alle Lernen mit den gleichen Inhalten zu versorgen, damit alle Auszubildenden zu einer bestimmten Zeit einem Wissensstand erreichen. Das hat zur Folge, dass viele Themen mit hohem Tempo bearbeitet werden und die Wissensvermittlung eher eine Belehrung darstellt und wenig Zeit für das entdeckende Lernen bleibt. Wir Ausbilder geben vor, was erreicht werden soll und zeigen auch den Weg dorthin auf – und dadurch bleiben immer mehr Lerner auf der Strecke, sind unzufrieden, hadern mit dem System und die Motivation lässt nach.

Der Ausbilder, der sich als Berater versteht, holt die unterschiedlichsten Auszubildende dort ab, wo Sie hinsichtlich Vorwissen, Verständnis, Motivation stehen und vereinbart individuelle Ziele mit ihnen. Das hört sich jedoch einfacher an als es in der Praxis umzusetzen ist. Aus diesem Grund haben wir ein System entwickelt mit dem wir Ausbilder mit Beratungskompetenz ausstatten, Werkzeuge an die Hand geben, Methoden aufzeigen und Erfolgsmessungen durchführen können. Diese Qualifizierungsreihe ist zudem eine hervorragende Möglichkeit, die Arbeit der Ausbilder interessant zu halten und dadurch Karrierepfade für Ausbilder anzubieten.

In den nächsten Monaten werden wir unser System in den ersten Unternehmen testen und hier wieder darüber berichten. Wenn Sie Interesse am Thema „Beratungskompetenz für Ausbilder“ haben, nehmen Sie gern mit mir Kontakt auf: buschbacher@smadias.de

 

Individualisierte Ausbildung – Der Ausbilder als Berater

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Kommentare

  1. […] strategisches Vorgehen und skizzierten ein Bild der zukünftigen Ausbildung, in der wir auch die Rolle der Ausbilder […]

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