Industrie 4.0 – Ausbildung der Zukunft

Industrie 4.0 – Ausbildung der Zukunft
10 Jan 2015

Industrie 4.0 – Ausbildung der Zukunft

Das Schlagwort Industrie 4.0 geistert momentan durch viele Unternehmen und wird fast täglich in der Fachpresse heiß diskutiert. Was hat es mit Industrie 4.0 auf sich und warum hat diese Thema auch mit der Ausbildung zu tun? In vielen Gesprächen und Projekten mit Industrieunternehmen bekommen wir einen vagen Eindruck von der Tragweite der nächsten industriellen Revolution. Einige Gedanken, die wir uns bei Smadias – Deutsche Ausbilderakademie dazu machen, möchten wir heute kundtun.

 

Eine industrielle Revolution wird die momentane Veränderung in Produktions- und Fertigungsunternehmen genannt und in der Tat haben diese Cyber-Physikalischen Veränderungen massive Auswirkungen auf zukünftige Produktions- und Fertigungsverfahren und somit auch auf die Menschen, die in diesen Unternehmen arbeiten. Man spricht von einer extrem hohen Vernetzung der Maschinen untereinander und die automatische Überwachung und Steuerung von Prozessen. Schon heute gibt es menschenleere Produktionshallen und Fabriken in jeder erdenklichen Branche. In Zukunft wird noch mehr vernetzt und automatisiert. Produktionsmaschinen ordern selbst Nachschub bei Lieferanten und stoßen dort wiederum völlig automatisch Fertigungsprozesse an. Die Fabrik der Zukunft, ganz egal wo sie steht, wird von zentralen Themen wie dem Internet der Dinge (IoT), von Software und komplexer Hardware- aber auch von Steuerungstechnik und Managementsystemen geprägt sein.

 

Bei all diesen rasanten Entwicklungen muss auch die Frage gestellt werden, welche Rolle der Mensch in dieser virtuellen Arbeitsumgebung einnimmt und welche Fähigkeiten und Kompetenzen er mitbringen muss, um sich dort zu behaupten zu können und seine Daseinsberechtigung zu rechtfertigen.

 

Fähigkeiten der Mitarbeiter

Wollen wir einen Versuch wagen und uns den Mitarbeiter der Zukunft vorstellen? Was muss ein Facharbeiter können und wissen, um in solch einem vernetzten und automatisiertem Bereich arbeiten zu können?

  • Er benötigt Prozesswissen und muss immer mehr den ganzheitlichen Geschäftsprozess verstehen und erfassen können
  • Die Fähigkeit, Komplexität zu Beherrschen und die umfassenden Folgen des eigenen Tuns abzuschätzen werden wichtige Fähigkeiten sein
  • Er muss mit einer hohe Tätigkeitsverantwortung zurecht kommen
  • Der Umgang mit mobilen Geräten und Technologien wird zur Normalität
  • Körperlich schwere Arbeiten wird er nicht mehr durchführen müssen
  • Er muss äußerst flexibel bezogen auf die Arbeitszeit, den Arbeitsort- aber auch die Problemstellung und Aufgaben sein
  • Er ist äußerst sensibel im Umgang mit Daten und weiß wie man diese schützt
  • Der Mitarbeiter darf keine Angst davor haben, ein Teil der Produktion und damit völlig transparent zu sein
  • Einfache Aufgaben und Arbeiten wird es für ihn nicht mehr geben
  • Mensch – Maschine Interaktion wird zur Maschine – Mensch Interaktion
  • Er muss damit zurecht kommen, dass seine Realität mit der Virtualität total verschmilzt
  • Grundlagenwissen zu IT- und Steuerungsprozessen ist absolut notwendig
  • Sich neues Wissen täglich, formell und informell, anzueignen, wird Normalität für ihn sein

 

Betrachtet man die derzeitigen ca. 350 Ausbildungsberufe in Deutschland genauer, so stellt man fest, dass fast kein Beruf auf genau die o.g. Anforderungen vorbereitet. Es wird ein sehr spezielles Wissen während der Ausbildung vermittelt und eine zu hohe Spezialisierung könnte eintreten, die wiederum Nachteile mit sich bringen kann. Im

IT- Umfeld kann man solche Entwicklungen schon seit Jahren beobachten. Einst gut ausgebildete Mitarbeiter sind morgen nicht mehr beschäftigungsfähig, da ihnen wichtiges Wissen einfach fehlt oder erworbenes Wissen rasant veraltet. Die lernende Organisation, das lebenslange Lernen, die Selbstverantwortung, hin zum selbstgesteuerten Lernen anstatt dem fremdgesteuerten Lernen durch Ausbilder tritt in den Mittelpunkt. Fachkompetenz, Prozesskenntnisse, internationale Teamfähigkeit und Kommunikationsfähigkeit werden elementar wichtig und zum Garant um in der Industrie 4.0 seinen Platz zu finden.

 

Vorbereitung?

Wie bereitet man zukünftige Mitarbeiter auf diese Veränderungen vor? Auch darüber hatten wir uns Gedanken gemacht und folgende Ideen angedacht:

  • Berufsbilder müssen sich weiter öffnen und es werden weitere hybride Berufe wie Mechatroniker, Mikrotechnologen oder Produktionstechnologen benötigt
  • Neue Berufsbilder werden entstehen. Denkbar ist ein Produktion-Big Data Analyst, ein IT-Sicherheitsmechaniker oder ein Virtual Reality Elektroniker
  • Lernen und Handeln kann nur in herausforderndem Umfeld stattfinden – eine Ausbildung in der Lehrwerkstatt gehört der Vergangenheit an. Kompetenzen entwickeln sich nur durch Herausforderungen und nicht durch Abarbeiten von schriftlichen Lehrgängen
  • Weg von der Projekt-Ausbildung- hin zur Prozess-Ausbildung
  • Fremdgesteuerte Ausbildung durch Ausbilder und Vorgaben muss durch selbstgesteuertes Lernen ersetzt werden. Die Funktion der Ausbilder als Gatekeeper hat ausgedient
  • Überblick- und Vernetzungswissen muss dringen frühzeitig, möglichst schon in den allgemeinbildenden Schulen, vermittelt werden
  • Informell erworbenes Wissen muss anerkannt und messbar gemacht werden. Neue Lehr- und Lernformen wie MOOCs, Blendet Learning, Gamifikation werden in die Ausbildung Einzug halten
  • Doppelausbildung wie sie z.B. in Österreich angeboten werden, sind ein Möglichkeit um schmales Wissen zu erweitern

Die nächsten Jahre werden geprägt sein von umfassenden technischen und digitalen Änderungen und Veränderungen. Wir rufen alle Personalleiter, Ausbildungsleiter- aber auch Führungskräfte dazu auf, sich mit der Thematik frühzeitig zu beschäftigen und die Weichen für eine erfolgreiche und zukunftsfähige Belegschaft zu stellen. Zusammen mit den Kammern oder Institutionen wie dem BIBB, aber auch Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften muss dringend an diesen Herausforderungen gearbeitet werden. Nicht nur Themen wie Industrie 4.0 sind wichtige, vielmehr die durchdringende Digitalisierung in allen Bereichen stellt die Arbeitswelt in den nächsten Jahren auf den Kopf. Viele Berufsbilder werden sich grundlegend verändern und ganz viele Stellen werden der Digitalisierung zum Opfer fallen…

Behalten Sie den Überblick

Heute den Überblick zu behalten ist wirklich eine Kunst. Geschwindigkeit und Dynamik umgeben uns und die Vielfalt an Möglichkeiten ist fast unüberschaubar. Ein Besuch der Ausbildertagung kann dazu beitragen, dass Sie den Überblick behalten und wichtige Impulse für Ihre Ausbildungsarbeit erhalten.

 

Weiterführende Informationen:

Fraunhofer Gesellschaft – Industrie 4.0

VDMA – Industrielle Revolution

Bitkom – Industrie 4.0

Hans Böckler Stiftung – Smart Factory

Wikipedia – Industrie 4.0

Slideshare – Vortrag Industrie 4.0 – Ausbildung 1.0

Interview mit Prof. Picot zum Thema Digitalisierung in der Ausbildung

BarCamp für Ausbilder zum Thema Industrie 4.0

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Share