Hey Ausbilder – wechsle deinen Job!

Hey Ausbilder – wechsle deinen Job!
22 Apr 2015

Hey Ausbilder – wechsle deinen Job!

Ausbilder sollten den Job des Ausbilders nicht zu lange machen. Es tut den Unternehmen nicht gut! Es tut den Auszubildenden nicht gut! Und sich selbst tut man auch keinen Gefallen, wenn man den Job des Ausbilders jahrzehntelang ausübt und dann im Rentenalter feststellt, dass man eigentlich sehr viel verpasst und in einer ständigen Wiederholung gelebt hat.

Der Nachwuchsausbilder:

Wie verläuft eigentlich eine Karriere als Ausbilder und wie wird man Ausbilder? Es gibt verschiedene Wege und Möglichkeiten und einer besteht darin, dass man direkt nach der eigenen Ausbildung im Unternehmen als Ausbilder angestellt wird. In den ersten Jahren ist man noch sehr „nah“ an seinen Azubis, dann wird die Altersschere mit jedem Jahr größer. Solche Ausbilder, die noch nie die Praxis draußen in den Werken, auf Montage, in Produktionen, im Vertrieb, im Labor oder im Lager gesehen haben, können zwar Wissen vermitteln und die Azubis gut bis zur Prüfung begleiten­ aber von der Realität in den Unternehmen haben sie wenig bis keine Ahnung. Diese Art von Ausbildern nehmen ganz schnell die Attitüden „erfahrene“ Ausbilder an, vermitteln Wissen so wie sie es beigebracht bekamen und suhlen sich in der Gatekeeper Rolle in der Wissen nach Schema F vermittelt und damit die Prüfung bestanden wird. Für die Ausbildungsleitungen sind solche Nachwuchsausbilder oft ein gute Gelegenheit das Ausbildungspersonal zu verjüngen und die geringen Kosten, die ein „Jung“­Ausbilder verursacht, haben auch einen Reiz, wenn man sich die angespannten Budgets der Ausbildungsleiter ansieht.

Der erfahrene Ausbilder

Diese Art von Ausbildern haben oftmals jahrelange Erfahrung in der Praxis und kennen den Betrieb und die Produkte oft sehr genau. Sie sind vertraut mit den Machenschaften des Unternehmens, kennen die Führungsstrukturen „draußen“ im Betrieb und verfügen meist über enorme Netzwerke innerhalb der Firmen. Für einige ist der Job des Ausbilders eine willkommene Abwechslung zum bisherigen Job und kann auch ein Karriereschritt darstellen. Die Arbeit mit jungen Menschen und die Wissensvermittlung stehen im Vordergrund der Tätigkeit. Erfahrene Ausbilder werden oft Fachausbilder, die z.B. die Betreuung des 1. Lehrjahrs in der Grundausbildung begleiten und bestimmte Lehrgänge durchführen. Sie erdledigen ihren Job ordentlich und zuverlässig und können oft gute und praxisnahe Beispiele in den Ausbildungsalltag mit einbringen. Didaktische und methodische Arbeit erlernen sie beim Training on the Job – eine tiefgreifende pädagogische Ausbildung ist meist nicht gegeben.

Die ersten Jahre im Job als Ausbilder

In den ersten Jahren ist es wie mit allem Neuem. Der Reiz des Neuen liegt in der Luft, neue Abläufe werden erlernt, der Ausbildungsstart mit den neuen Azubis wird mitgestaltet und man lernt vieles über die Menschen mit denen man täglich zu tun hat. Der Ausbilder erstellt sich ein Portfolio von Methoden, die zielführend sind und man führt Lernerfolgskontrollen ein damit es kein böses Erwachen in der Prüfung gibt. Nachdem in diese Prozesse Routine eingekehrt ist und man mehrfach die immer wiederkehrenden Aufgaben durchgeführt hat, werden manche Ausbilder von ihren Ausbildungsleitern mit Sonderprojekten beauftragt. Da muss eine Messe organisiert, Flyer vorbereitet, ein Elternabend organisiert und durchgeführt oder eine neue Maschine beschafft werden. Nach weiteren Jahren als Ausbilder wird man evtl. zu Arbeitskreisen der örtlichen IHK entsandt oder darf im Prüfungsausschuss mitwirken – am Anfang eine sehr interessante Aufgabe in der man viel lernt und ein gutes Netzwerk unter gleichgesinnten schafft.

Was passiert nach einigen Jahren als Ausbilder?

Als Ausbilder hat man mit der Zeit jahrelang mit jungen Menschen gearbeitet und diese erfolgreich bis zur Prüfung begleitet. Man kennt alle Abläufe, weiß wie die Kollegen und die Leitung tickt und hat in der Regel einen sehr bequemen Job. 37 Wochenstunden sind ab zu leisten. Alle Lehrgänge und Unterweisungen führt man aus dem FF durch und es gibt kaum noch Herausforderungen im Joballtag. Mit den Jungs und Mädels kommt man gut zurecht und im Kollegenkreis wird gelegentlich sinniert, wie sich die Generationen zum positiven­ aber auch zu negativen hin verändern. In wöchentlichen Meetings mit der Ausbildungsleitung wird die Wiederholung der Wiederholung besprochen. Manchmal fordert einen Ausbildungsleiter dazu auf, dass mehr Dynamik und Neugier an den Tag gelegt werden sol,l damit die Ausbildung zukunftsfähig bleibt. Solche Sprüche und pro­forma Begeisterung wird zwar von den Ausbildern zur Kenntnis aber nicht erst genommen – man kann das Thema ja auch aussitzen.

Ausbildungsabteilung = Rosa Wolke

Im Gespräch mit vielen Ausbildungsleitern wird mir immer wieder geschildert, welche Stellung die Ausbildung im Unternehmen einnimmt. Die schöne „Rosa Wolken Welt“ der Ausbildung mit guter Behütung durch die Helikopter Ausbilder (angelehnt an die Helicopterparents) mit wenig Praxisbezug und fern jeglicher betrieblicher Realität wird den Ausbildungsabteilungen bescheinigt und die Ausbilder vom Rest des Unternehmens auch gelegentlich belächelt. Dass in den Ausbildungseinheiten harte Arbeit an Heranwachsenden geleistet und diese täglich aufs neue kontrolliert, angeleitet und motiviert werden müssen, wird verkannt. Dass dies absolut harte und teilweise ermüdende und nervenaufreibende Arbeit ist, ist den meisten Kollegen im Betrieb so nicht so bewusst!

Ausbilder aus Sicht der Azubis

Wenn man mit Azubis im Gespräch ist und sie nach ihren Ausbildern befragt, erhält man meist eine positive Rückmeldung. „Nimmt sich Zeit, kann gut erklären und zeigt mir alles, rettet mich wenn ich nicht mehr weiter weiß und kümmert sich um mich. Manchmal „nerven“ die Ausbilder auch wenn sie Dinge wie das Berichtsheft einfordern oder einen übertriebenen Genauigkeitsfimmel an den Tag legen wenn es um Ordnung und Sauberkeit geht. Draußen im Betrieb, in den Fachabteilungen geht es meist chilliger und entspannter zu“.

Ausbilder aus Sicht der Personalleitung

Die Personalleitung muss sich Kraft ihres Amtes hinter die Ausbildung und die Ausbilder stellen. Es wird geschwärmt von dem Engagement, der guten Betreuung und der Wichtigkeit der Aufgabe als Ausbilder. Soziale Verantwortung und die Zukunftsicherung des Unternehmens wird gelobhudelt. Wenn man dann etwas genauer forscht, erhält man gelegentlich auch Einblick in ganz andere Meinungen der Personalleiter. Hohe Kosten die durch die Ausbildung verursacht werden, Qualifizierung am internen Bedarf vorbei, kaum Innovationen, wenig bis keine Ausrichtung der Ausbildung an den Unternehmenszielen, phlegmatische und sehr statische Kollegen welche Verhaltensweisen und Tendenzen des Lehrerberufs verinnerlicht haben, fehlende Wertschöpfung der Ausbildung und vieles mehr! Kraft ihres Amtes werden die Personalleiter sie so selten oder nie in der Öffentlichkeit von sich geben – das wäre schließlich karriereschädlich. Selbstverständlich gibt es auch ganz andere Ausbildungsleiter. Diese fordern und fördern Innovation, lassen Freiräume und stellen Budgets zur Verfügung, lassen experimentieren, sehen die Ausbildung als Inkubator für Neues und räumen der Weiterbildung des Ausbildungspersonals einen hohen Stellenwert ein. Nicht einmal ein Outdoortraining alle 2 Jahre um den Teamgedanken zu festigen – sondern kontinuierliche Aus­ und Weiterbildung, damit die Ausbilder eine Methodenvielfalt und neue Technologien kennenlernen.

Austausch mit Ausbildungsleitern:

Mit einigen Ausbildungsleitern diskutieren wir derzeit ungewöhnliche Vorgehen und Fragestellungen. Wie das so ist, gibt es bei Diskussionen unterschiedlichste Ansichten und Meinungen – aber genau das bringt uns weiter! Folgende Aussagen und Fragen stellen wir uns derzeit:

  • Ein Ausbilder soll maximal 5 Jahre den Job des Ausbilder innehaben und dann zurück in den Betrieb oder in einen anderen Bereich wechseln!
  • Haben wir noch die richtigen Ausbilder für die betrieblichen Herausforderungen der nächsten Jahre wie Internationalisierung, Digitalisierung, Industrie 4.0?
  • Sind wir noch die richtigen Ausbildungsleiter, um unsere Ausbildung zukunftsfähig aufzustellen?
    Wie kann es uns gelingen, die Ausbildungsmannschaft dauerhaft neugierig, interessiert und offen zu halten? Sind unsere Ausbildungsmethoden noch zeitgemäß?
  • Benötigen wir ein ganz anderes Ausbildungssystem welches Modular aufgebaut ist und wesentlich flexibler und schneller auf Veränderungen und Rahmenbedingungen reagieren kann?
  • Wie sicher ist unsere Ausbildungsabteilung und welche Chancen hätten wir persönlich am Arbeitsmarkt, wenn unsere Ausbildungsabteilung morgen geschlossen wird?

Ich möchte Sie mit unseren Ideen und Beobachtungen nicht verunsichern! Ich wünsche mir, dass Sie mit Ihren Ausbilderkollegen auch in den Austausch gehen und das bestehende kritisch hinterfragen. Gehen Sie in Klausur mit Ihren Führungskräften und Personalleitern und fragen Sie, was sich diese von der Ausbildung erwarten. Definieren Sie Ziel für Ihre Ausbildung die Sie aus den Unternehmenszielen ableiten und fordern Sie konkrete Ergebnisse von Ihren Ausbildern! Gehen Sie raus in die Fachabteilungen und nehmen Sie Veränderungen in Prozessen und Abläufen wie ein Seismograf wahr und ziehen Sie die notwendigen Konsequenzen daraus!

Tauschen Sie sich mit anderen Ausbildern und Ausbildungsleitern aus – eine Möglichkeit ist unser BarCamp für Ausbilder. Eine „andere“ Veranstaltung für die weitsichtigen Menschen!

 

Ausbilder - Industrie 4.0 Smadias

Share

Schreibe einen Kommentar