Agile Ausbildung? Die Realität sieht anders aus.

Agile Ausbildung? Die Realität sieht anders aus.
23 Dez 2016

Agile Ausbildung? Die Realität sieht anders aus.

In den letzten 5 Jahren wurde viel über die Agilität und agile Methoden gesprochen und geschrieben. In Gesprächen mit Ausbildungsleitern und Personalentwicklern bemerken wir, dass dieses Thema auch in der Aus- und Weiterbildung langsam ankommt.

Ist die Überschrift „Agile Ausbildung versus IHK Vorgaben“ ein Widerspruch in sich? Dazu müssen wir zunächst überlegen, was Agilität bedeutet und versuchen uns hier mit einer Erklärung: Agilität ist die Fähigkeit einer Organisation, flexibel, aktiv, anpassungsfähig und mit Initiative in Zeiten des Wandels und Unsicherheit zu agieren.

Wir können uns nun die Frage stellen, ob die oben genannten Punkte auf unsere Unternehmen zutreffen und versuchen uns darin, zunächst die Rahmenbedingungen zu erfassen:

 

Interne und Externe Einflüsse auf die Ausbildung

Welchen internen und externen Einflüssen sind unsere Unternehmen ausgesetzt? Hier pauschal zu Antworten wäre sehr fahrlässig, denn wir sollten jedes Unternehmen und jede Branche ganz speziell untersuchen. Die Einflüsse sind unterschiedlicher denn je und einige externe Faktoren möchten wir kurz aufzeigen:

  • Der Finanzbereich ist durch ein sehr großes Maß an Regulierung z.B. durch Vorgaben aus Brüssel beeinflusst
  • Der Energiebranche wurde durch Gesetzesänderungen über Nacht ein komplettes Geschäftsmodell entzogen (Erneuerbare Energien Gesetz)
  • Die Automobilindustrie und deren Zulieferer stehen vor gewaltigen Veränderungen zum Thema E-Mobilität. Zulieferer des Antriebsstrangs wissen teilweise heute noch nicht, wie sie in Zukunft auf dem Markt bestehen können
  • Verlage kämpfen seit Jahren mit der Digitalisierung, aber auch mit Themen wie OER (Open Educational Ressources)
  • Der Einzelhandel verlagert sich zunehmend in die virtuelle Welt des Internets und das Internet of Things hält schleichend Einzug in jeden Haushalt
  • Der Bildungsbereich verändert sich rasant durch neue Technologien und Angebote wie MOOCs, Mobile Learning, EduChain
  • Produktionsunternehmen sind enormem internationalem Wettbewerb ausgesetzt, welchem sie durch Automatisierung und Robotik begegnen

Diese Beispiele zeigen recht deutlich auf, dass es enorme externe Rahmenbedingungen gibt, welchen Unternehmen oder Institutionen ausgesetzt sind.

 

Die internen Einflüsse sind ebenso unterschiedlich und auch hier möchten wir kurz einige Beispiele aufzeigen:

  • Durch die Komplexität der Unternehmen werden Prozesse oft sehr langwierig, unüberschaubar und intransparent
  • Die unzähligen Projekte sind, neben der eigentlichen Arbeit, kaum noch zu bewältigen
  • Interne politische und kaum nachvollziehbare Entscheidungen sorgen in der Belegschaft für Unzufriedenheit und Unverständnis
  • Fusionen, Umorganisationen, Umzüge, Veränderungen werden einerseits als normal, anderseits als sehr belastend wahrgenommen
  • Wettbewerb unter verschiedenen Standorten eines Unternehmens hinsichtlich Produktivität, Ausfallzeigen oder Unfallstatistiken nehmen zu
  • Die unterschiedlichsten Generationen im Unternehmen prallen aufeinander und generationenübergreifendes Lernen und Arbeiten ist in vielen Unternehmen noch nicht richtig durchdacht

 

Wenn Sie sich die oben genannten Beispiele ansehen, können Sie überlegen, ob Sie diese oder ähnliche Themen auch in Ihrer in der Organisation vorfinden. Wir müssen erkennen, dass die Geschwindigkeit, die uns derzeit umgibt unwahrscheinlich groß ist und dass bisherige Systeme wie Arbeitsanweisungen, Hierarchiemodelle oder Management-Handbücher zur Bewältigung der Aufgaben kaum noch funktionieren. Die operative Abarbeitung von Arbeitsaufgaben nimmt so viel Raum ein, dass wir die uns umgebenden Veränderungen kaum wahrnehmen können bzw. wahrhaben wollen was wiederum drastische Folgen haben kann. Mitarbeiter, die in den letzten Jahren sehr gute Arbeit geleistet haben sind auf die externen und internen Veränderungen kaum vorbereitet und im schlimmsten Fall damit in Zukunft nicht mehr beschäftigungsfähig.

 

Ziele der Ausbildung

Die Ausbildung ist seit vielen Jahren ein sehr stabiles System, welches Vor- und Nachteile mit sich bringt. Wenn wir beispielsweise die Anpassungsgeschwindigkeiten bei Neuordnungen von Berufen analysieren, stellen wir fest, dass hier extrem langwierige Prozesse, Abstimmungen und zahlreiche Versuche der Vereinheitlichung stattfinden und die Unternehmen diese Entscheidungen nicht mehr mittragen wollen und können. Als Beispiel sei hier das Berufsbild der E-Commerce Kaufleute genannt, welches seit über 10 Jahren vom Handel gefordert und in einer atemberaubenden Schneckentempo von den „Behörden“ umgesetzt wird.

Die praktizierte Ausbildung in den Unternehmen ist auch unter verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Aus Sicht der Ausbilder wird eine hervorragende Ausbildung durchgeführt, weil alle Auszubildende bis zur Prüfung begleitet werden und das System erfolgreich durchlaufen. Ein Indikator für erfolgreiche Ausbildung besteht oftmals darin, welche Noten und Ergebnisse die Auszubildenden in der Zwischenprüfung oder der Abschlussprüfungen erreicht haben. Viele Ausbildungsabteilungen halten an diesen Indikatoren fest und betreiben die Ausbildungsarbeit so, wie sie schon die letzten Jahrzehnte betrieben wurde – einen Veränderungsdruck haben die Ausbildungsabteilungen daher kaum und man kann sich selbstzufrieden zurücklehnen. Man wartet ab bis Berufe neu geordnet sind, bis Prüfungen angepasst werden und Rahmenlehrpläne optimiert werden, um dann umzusetzen. Einer denkt und die anderen handeln!

 

Selbstverständlich ist die Arbeit mit jungen Menschen, mit anderen Generationen und Kulturen, an sich schon sehr herausfordernd. Die Heterogenität der Azubigruppen hinsichtlich Vorwissen, Motivation, Fähigkeiten und Ausbildungsreife- aber auch persönlicher Problem ist größer denn je und fordert immens viel von dem Ausbildungspersonal ab. Auch hier kommen die Ausbilder teilweise an ihre Grenzen, weil sie in der Regel hervorragende Fachleute sind, jedoch über wenig sozialpädagogisches Wissen verfügen.

 

Betrachten wir die Situation, denen die Unternehmen durch externe und interne Rahmenbedingungen ausgesetzt sind. Das Thema Ausbildung, welches über Jahre hinweg stetig arbeitet, kann den Eindruck erwecken, dass es sich auf einer „rosa Wolke“ befindet.

Veränderungsdruck haben die Ausbildungsabteilungen kaum und die externen und internen Einflüsse auf die Unternehmen sind oft weit von der Ausbildung entfernt, obwohl jeder Ausbilder wissen sollte, was die Unternehmen bewegt um daraus Rückschlüsse für die Ausbildungsarbeit und die Ausbildung an sich zu ziehen. So kann es z.B. das wichtigste Ziel sein, die jungen Menschen auf das schnelle und komplexe Arbeitsleben vorzubereiten und dabei die Auszubildende dazu befähigen, sich agil, also schnell und flexibel auf unterschiedlichste Situationen und Rahmenbedingungen einzulassen und eine enorme Selbstlernkompetenz zu erreichen.

 

Zukunft der Ausbildung

In vielen Gesprächen mit Ausbildungsleitern hören wir immer wieder den Wunsch nach Werkzeugen und Methoden, um Ausbildungspersonal dauerhaft zu motivieren. Damit hält zumindest eine agile Denkweise Einzug und nicht alles dreht sich „nur“ um die Wissensvermittlung und das Kümmern um Auszubildende. Vielmehr sollten alle Ausbilder ständig den „Blick über den Tellerrand“ schweifen lassen und genau beobachten, welchen Einflüssen das Unternehmen ausgesetzt ist und dann mutig und entschlossen neue Ideen in die Ausbildung bringen. Es geht unserer Meinung nicht darum, die großen Veränderungen einzuführen, sondern eher darum, schnell und beweglich auf Änderungen und Wahrnehmungen zu reagieren. Wir müssen dringend von der Situation „Einer denkt und alle anderen machen“ hinzu „Alle denken und jeder darf machen“ kommen. Machen Sie sich auch auf den Weg der agilen Ausbildung und tauschen Sie sich mit Josef Buschbacher dazu aus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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